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Warum Datenhoheit und Unabhängigkeit zur Führungsaufgabe werden

Aus der 11. Ausgabe unseres CEO-Briefings.

KI-Souveränität: Was passiert, wenn plötzlich der Stecker gezogen wird?

Mitte Juni war das leistungsstarke KI-Modell Fable 5 von Anthropic von heute auf morgen nicht mehr zugänglich. Für viele Unternehmen war das mehr als eine technische Randnotiz. Es war ein Weckruf. Denn wer seine Daten- und Technologie-Hoheit nicht selbst in der Hand hat, steht plötzlich ohne Werkzeug da – mitten im laufenden Betrieb.

Die zentrale Frage für jede Geschäftsleitung lautet deshalb: Wie souverän bleibt ein Unternehmen, wenn wesentliche Abläufe auf Plattformen und Softwarelösungen laufen, die von Dritten gesteuert werden?

Wir haben mit Sparring24-Partner Georges Mauch darüber gesprochen, warum KI-Souveränität längst keine IT-Frage mehr ist, sondern eine strategische Führungsaufgabe.

Wann kippt sinnvolle Digitalisierung in eine gefährliche Abhängigkeit?

„Sobald die Digitalisierung in lauter kleinen Testprojekten steckenbleibt», sagt Mauch. „Jedes Projekt läuft für sich, kommt aber nie über den Probebetrieb hinaus. Niemand übernimmt es in den Alltag. So entstehen viele Versuche ohne echten Nutzen fürs Unternehmen.»

Drei Faktoren verschärfen das Problem aus seiner Sicht:

  • Die Ergebnisse bleiben Einzelfälle, niemand baut systematisch darauf auf.
  • Die Projekte hängen nicht an der Geschäftsstrategie, weil niemand definiert hat, was sie überhaupt erreichen sollen.
  • Es fehlen klare Regeln für Datenhoheit, Qualität, Sicherheit und Ethik – auch rechtlich gibt es offene Fragen.

„Der Fall Claude Fable 5 führt das gerade vor: ein handfestes Risiko bei Datenhoheit und Verfügbarkeit. Habe ich das nicht im Griff, bin ich als Unternehmen schnell handlungsunfähig.»

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Weshalb wird die Frage der Datenhoheit noch immer unterschätzt?

Viele Unternehmen konzentrieren sich bei künstlicher Intelligenz vor allem auf Effizienzgewinne. Die Grundlagenarbeit gerät dabei aus dem Blick.

„Data Management ist unspektakulär – und bildet trotzdem die Basis für alles Weitere», erklärt Mauch. „Jemand muss strukturierte und unstrukturierte Daten so aufbereiten, dass eine KI überhaupt sinnvoll darauf aufsetzen kann. Dazu kommt: Rollen wie AI Data Owner oder Responsible AI Lead entstehen oft gar nicht erst. Der schnelle Produktivitätsgewinn lockt mehr als die mühsame Grundlagenarbeit an den Daten.»

Warum bleibt der Grundsatz «Kernprozesse bleiben im Haus» bei KI oft aussen vor?

Ein Grundsatz guter Unternehmensführung lautet: Kernprozesse bleiben im eigenen Haus. Bei künstlicher Intelligenz wird dieser Grundsatz auffallend häufig übergangen. Mauch nennt vier Gründe:

  1. Kosten: Eigene KI-Systeme sind teuer – und schon vor dem KI-Boom haben viele Firmen ihre Server und Infrastruktur bei Amazon, Google oder Microsoft Azure gemietet.
  2. Fachkräftemangel: KI-Fachleute arbeiten meist in spezialisierten Firmen, an Instituten und Universitäten. Unternehmen holen sich die Lösung dort, statt sie selbst aufzubauen.
  3. Zeitdruck: Das Management will die Lösung sofort – für den internen Aufbau fehlt die Geduld.
  4. Reifegrad: Vielen Unternehmen fehlt schlicht die organisatorische Reife, um KI-Projekte intern zu stemmen.

Wie reduzieren Unternehmen ihre Abhängigkeit, ohne Innovationstempo zu verlieren?

„Die Daten bleiben intern, Rechenleistung und Modelle kommen von extern», so Mauchs Kernempfehlung. „Dafür braucht es eine Zwischenebene, die beide Welten zusammenführt.»

Dieses Modell vermeidet die härteste Form der Abhängigkeit: eine KI, die ohne Schnittstellen fest in den eigenen Systemen verdrahtet ist – bei der ein Eingriff des Anbieters den gesamten Betrieb lahmlegt.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Das Unternehmen kann beliebige Modelle nutzen, ohne die Hoheit über seine Daten abzugeben. Und es bleibt flexibel, wenn sich am Markt etwas ändert – so wie beim Fable-5-Ausfall im Juni.

Vier Fragen, die sich CEOs jetzt stellen sollten

Um die eigene KI-Souveränität realistisch einzuschätzen, empfiehlt Georges Mauch vier zentrale Fragen für die Geschäftsleitung:

  • Welchen Mehrwert bringt KI für unsere Gesamtstrategie?
  • Wo grenzt sie uns vom Wettbewerb ab, welche Kernprozesse verändert sie, welche Kundenerwartungen erfüllt sie besser?
  • Wie sichern wir die uneingeschränkte Hoheit über unsere Daten – auch rechtlich, wenn EU AI Act und US-amerikanischer Cloud Act kollidieren?
  • Was braucht es, damit wir als Geschäftsleitung KI verantworten, statt sie an die IT wegzudelegieren?

Fazit

KI-Souveränität ist kein Nice-to-have für die IT-Abteilung. Sie entscheidet darüber, ob ein Unternehmen auch dann handlungsfähig bleibt, wenn ein Anbieter kurzfristig den Zugang einschränkt. Wer Daten intern hält und Modelle austauschbar macht, sichert sich echte unternehmerische Unabhängigkeit – und das ist eine Aufgabe für die Geschäftsleitung, nicht für die IT allein.

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Fragen, die sie sich als Entscheider stellen sollten

Was bedeutet KI-Souveränität für Unternehmen?
KI-Souveränität bedeutet, dass ein Unternehmen die Hoheit über seine Daten behält und nicht vollständig von einem einzelnen KI-Anbieter abhängig ist – auch wenn dieser Anbieter Modelle oder Zugänge kurzfristig einschränkt.

Warum wurde Claude Fable 5 zum Weckruf für Unternehmen?
Der plötzliche Zugangsverlust zu Fable 5 im Juni zeigte, wie schnell Unternehmen handlungsunfähig werden, wenn zentrale Abläufe auf externen KI-Plattformen ohne eigene Datenhoheit basieren.

Wie können Unternehmen KI-Abhängigkeit reduzieren?
Indem sie Daten intern verwalten und über eine Zwischenebene flexibel verschiedene externe Modelle und Rechenleistung anbinden, statt sich fest an einen einzigen Anbieter zu binden.

Wir arbeiten mit Führungskräften, die Klarheit wollen und Wandel gestalten. Gemeinsam entfalten wir Wirkung.

ENTSCHEIDUNgs-Werkstatt

Sparring Partner Team am Hobelbank

Was, wenn vier Stunden gemeinsames Sparring mehr Klarheit schaffen als Monate im Kreis zu drehen? In der Entscheidungs-Werkstatt entsteht ein tragfähiger Entscheid. Klar. Strukturiert. Konsequent.